Von Hofläden, Regioboxen, Milchtankstellen und so weiter.

Monat: August 2021

Über Ben und Jan, Diebstahl und Zerstörungen, Highlander, Landtage-Nord, gelbe Dotter und fensterlose Ställe…

Bei unseren Fahrten übers Land haben wir einen kleinen Hofladen am Kanal in Harbern 1 entdeckt. Dort gibt es Eier, Kürbisse und anderes Gemüse. Ein Plakat von „Jan & Ben“ unterschrieben, bittet darum, so ehrlich zu sein und zu bezahlen. Ich habe den Eindruck, das Hofläden mit Selbstbedienung wirklich gerne als Ziel genommen werden, sich zu bedienen ohne zu bezahlen oder gar dort rohe Gewalt walten zu lassen und etwas zu zerstören.

Fast wöchentlich meldet einer der Hofläden, die ich auf Facebook in meiner Liste habe, Diebstahl oder einen Schaden. Es ist die Frage, was in Menschen vorgeht, so so etwas tun? Da übernimmt ein Hof das Risiko und die Kosten von einigen tausend Euro, die erst einmal finanziert werden müssen, um einen Teil seiner Produkte selbst zu vermarkten – und dann kommen irgendwelche Idioten und denken: „Super, geil, lass uns mal klauen und/oder kaputt machen!“?

Ich nehme mal an, so etwas sind Menschen, die immer nur eine große Klappe damit haben, was ANDERE bitteschön zu leisten haben. Die von sich aus aber nicht einen Finger rühren würden, um mit ein paar tausend Euro in Vorleistung zu gehen um Menschen die Chance zu geben, regional und fair erzeugte Lebensmittel anzubieten, von denen erst einmal ganz schön viel verkauft werden muss, bis die Investition für den Verkaufstand und ggf. Automaten sich wieder amortisiert hat. Es ist zwar echt blöde, wenn man dann noch ein paar hundert Euro für Sicherheitstechnik ausgeben muss und feststellt, dass man lieber ab 22 Uhr die Butze abschließt, aber mitunter wohl besser.

Hoflanden von „Ben und Jan“ am Kanal

Dann sind wir ein bisschen planlos durch die Landschaft gefahren. Dabei haben wir die Firmen „Heidemark“ und „Pilzland“ gesehen. Eigentlich wollte ich von „Pilzland“ noch ein Foto machen, aber das sind einfach nur ein Industriegebäude und es ist nichts da, was auch nur im Ansatz irgendwie ein gutes Fotomotiv geben würde. Nicht einmal der wartende Bus, der die Arbeiter wieder nach Hause bringt.

Hofladen Hinweisschild mit Highland Cattles

In Visbek sind wir an einem großen Hofladenschild vorbei gekommen. Wie üblich kam: „Moment, ich muss eben anhalten und zumindest das Schild fotografieren!“. Dabei habe ich festgestellt, dass der Hofladen noch auf hatte. Wir haben also superleckere Sachen von Highgland-Cattle in einem richtig tollen Hofladen eingekauft, der Hund hat eine „Hundetüte“ bekommen und hat jetzt für die nächsten Wochen Snacks (ist gefrostetes Zeug) – und wir haben uns umsehen dürfen! Den Stall für die Highlander-Herren finden wir richtig gut, es ist ein Kaltstall mit viel Licht und Luft und Platz. Auch toll war die Farbvielfalt zu sehen, die diese Tiere haben – und dass sie es schaffen, sich beim Fressen tatsächlich nicht gegenseitig die Augen auszustechen!

Zwei Highland-Cattles mit langen Hörnern beim Fressen nebeneinander

Dann waren wir samstag auf den Landtagen-Nord. Das war sehr interessant, auch wenn wir mit dem Rolli nur einen Teil davon mitbekommen haben, nämlich das, was an den gut zu schiebenden Asphaltwegen und in der Halle war. Ich erwarte ja echt nicht viel, aber wenn mir neben den ganzen Nasenpimmeln und den Leuten, die kurz hinter der Kasse sich ihre Masken wieder komplett abgesetzt haben (überwiegend Männer), dass ich sehr lange nicht mehr so geballt „ach, ein Rollifahrer, der hat hier ja eigentlich nichts zu suchen!“ erlebe, ist das richtig krass.

Das Melkhus am Deich war auch vor Ort und hat fleissig Milchprodukte verkauft

Als Nickt vor einem Stand fast mal vom Asphaltstreifen gekippt wäre, weil er Prospekte angucken wollte, da wurde einfach nur blöde geguckt. Ein älterer, vorbeikommender Herr hat dann gefragt, ob er uns helfen kann. Aber das war es dann auch schon. Es wurde sich beim Anstehen „ach, ein Rolli, lass uns noch schnell dran vorbei!“ rumgedrängelt und so weiter. Das war echt zum kotzen. Es gab dennoch zwei nette Gespräche – aber den Rest konnten WIR komplett vergessen. Nun haben wir ein paar Prospekte von den Sachen, die uns interessieren – und zum Glück gibt es Youtube-Videos und andere nette Menschen, die uns das zum Teil erklären können.

Kennt ihr diese weichen Platten für Fitnessräume? Puzzlematten für Kinder? In XXL gibt es das auch für Ställe!

Denn ich kann ja Hofläden toll finden – aber wenn ich erlebe, dass jemand auf Twitter z. B. fragt, woran er gute Milch erkennt und nach einem Hinweis auf Milchtankstellen erklärt, da müsse er ja auch immer erst überprüfen, ob die nicht neben einem fensterlosen Stall steht, denke ich mir auch „WTF?“. Oder wenn jemand ein Bild von seinem Frühstücksei postet „voll medikamentenfrei, sieht man am tiefgelben Dotter! Eigene Haltung, totaler Luxus!“ denke ich mir das auch. Denn das, was für Menschen, die auf dem Land aufwachsen oder sich mehr damit beschäftigen, selbstverständlich ist, ist es für andere Menschen bei weitem nicht.

Neben dem Kaltstall der Highland-Herren war noch ein Schweinestall mit Podest, damit man gucken kann. Auf einem Plakat wurde erklärt, warum der Stall ist, wie er ist

Wenn wir also schon mit Land-Laden-Lecker ein tolles Projekt haben, dann sollte dazu auch gehören, nach und nach zu erklären, was wie warum ist wie es ist. Bis auf einige Ausreißer erleben wir ja wirklich viele tolle Betriebe und viele positiven Sachen – und eben, dass viele Dinge dann doch anders sind, als PETA und mancher Tierschützer es gerne darstellen.

Ein Hinweisschild am Schweinestall, das ein landwirtschaftlicher Betrieb kein Zoo ist und wie man sich verhalten soll. Sehr gut!

Diese Woche neu auf den Listen sind übrigens: Rutteler Mühle (WHV), Sozialer Ökohof Papenburg (EL), Kürbishof Sprengel (EL), Hülsberger Wagyu (CLP), Hof Stolle (OL), Erdfrüchte (OL), Jan & Ben (OL), Ölmühle Katerbow (sonstige, OPR), Kalieber (CLP), Imkerei Rieken (BRA), Johannshof (AUR), Highland Cattle vom Lohmühlenbach (VEC)

Zack, über einen Monat rum,

Wie die Zeit vergeht!

Gestartet ist Land-Laden-Lecker am 7. Juli. Mittlerweile haben wir den 12. August, es ist etwas über einen Monat vergangen. Irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es erst so kurze Zeit ist. Aber nun denn, mittlerweile sind 150 Adressen im Bereich Weser-Ems gelistet.

Kürbisstand am Pehmertanger Weg 16 in Friesoythe.

Da Junior einen ziemlich nervigen „Mitbewohner“ (aka Hirntumor) im Kopf hat, der ihm das Leben meistens richtig schwer macht, sind wir fast jeden Tag unterwegs. Das lenkt ab. Meistens haben wir nicht wirklich ein Ziel, aber fast immer finden wir irgendwo einen Hofladen oder Verkaufsstand, halten an und schauen uns dort um.

Mittlerweile ist auch die Facebookseite von Land-Laden-Lecker schon etwas gefüllter. Ich verlinke oft interessante Beiträge der Höfe, die selbst vermarkten. Oft denke ich mir dann, das wir uns das eigentlich unbedingt live angucken müssten. Manches werden wir uns auch ansehen.

Hof Grote in Beverbruch, auch wenn wir den Hofladen irgendwie verpasst haben (war schon spät) war es sehr spannend und hat Lust auf „mehr wissen“ gemacht!

Heute hat Nick auf der Fahrt erzählt, wie sehr er eigentlich den Heilbrunner Hof vermisst. Kann ich verstehen. Krebs ist einfach ein Arschloch. Es war eigentlich alles geregelt, er hatte seinen Traumberuf, dass er lernt und in der Corona-bedingten Pause auf dem Naturland-Hof in Gottberg gerne helfen kann, wo wir unsere Milch geholt haben. Dann kam der Hirntumor und alles hat sich geändert. Wir mussten über ein paar hundert Kilometer umziehen und mal wieder neu anfangen. Landwirtschaft ist hier für uns das, was wir von weitem sehen und in Hofläden erleben oder an Feldrändern zu zweit diskutieren

Wir haben uns einen Sortenvergleich angeschaut und den Straßenfeger unter den Maissorten gefunden!

Wir haben jetzt überwiegend indirekt mit Landwirtschaft zu tun, das ist besser als gar nichts. Wenn man kein „hoppla, hier komme ich!“-Mensch ist, dann wird es mitunter halt etwas schwierig. Junior bekommt Aufgaben, Sachen online herauszufinden oder unterwegs etwas aufzuschreiben. Kaufen wir auf einem Hof ein, soll er die Summe ausrechnen und das Geld passend heraussuchen.

Vorgestern war ein Teil unserer Abendbeschäftigung, die Doku „Endlich wieder Bauer“ über Hof Habbena in Krummhörn zu gucken, nachdem Peter Habbena mir geschrieben hat, dass es die Doku gibt. Vorher gab es aber noch „Beute-Essen“. Galloway-Bratwurst (die ist immer gut zum ablenken, wenn der Kopf wieder komplett spinnt) von Hof Preut mit Kürbis von zwei Höfe weiter und Treckernudeln von Bruns Gemüsehof in Ganderkesee, die von Oltmers Hofladen verkauft werden. Gestern haben wir dann einen Kürbis- und Zucchini-Stand in Molbergen entdeckt und den Hof Kollmar-Heidkamp in Lindern-Großeging. Die Entenstücke sind jetzt bei uns im Froster, das nächste „Beute-Essen“ ist gesichert.

Noch mehr Kürbis! Ein Straßenrandstand in Molbergen. Fast wie in Brandenburg!

Eigentlich waren wir gestern unterwegs, damit Junior im Auto die Chance hat, völlig übermüdet endlich mal einzuschlafen. Hat nicht ganz geklappt, wir haben uns über den Sinn und Unsinn von Marinadespritzen für Fleisch, Fleischqualität und Kalbfleischmythen unterhalten. Zum Thema Marinadespritzen konnten wir uns darauf einigen, dass man ja nicht jeden Scheiß mitmachen muss. Aber wir werden dann mal zusammen bei Meemken & Sandmann einkaufen und schauen, ob man unterschiedliche Haltung in der Fleischtheke erkennen kann und was so an den Erzählungen dran ist.

Ein Eier- und Steineverkaufsstand mit bunten Hühnern nebenan in… äh… (irgendwo bei Lindern „im Ort“)

Heute sind wir dann durch Marren gefahren und dort war gerade Strohernte, also haben wir angehalten und vom Weg aus beim „Rollischubsen“ zugeschaut und ein bisschen über die Ballenpresse und die Schlepper diskutiert. Klar, mache ich das auch noch. Auch wenn es nicht meine Aufgabe sein sollte, einfach jeden „Kerle-Krempel“ auch noch zu übernehmen. Aber das macht halt sonst niemand.

Hofladen von Hof Kollmer-Heidkamp, vorübergehende Heimat von Pekingenten-Teilen

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