Von Hofläden, Regioboxen, Milchtankstellen und so weiter.

Monat: Oktober 2021

Vom Sacco und Silopuzzlen, Wärmematten, Automaten die einen nicht bezahlen lassen wollen, Hofladenbesuchen, Osteressen im Herbst und Rindfleisch kaufen

Nachdem sich zwei Wochen hier nichts getan hat (was nicht bedeutet, das sich überhaupt nichts getan hat), gibt es heute wieder einen Blogbeitrag. Es wurde alles ein bisschen viel und ich brauchte ein bisschen Pause von der Webseite.

Dafür habe ich mit Junior ein paar schöne Touren gemacht, zum Teil mit dem Sacco-Cart. Das läuft mittlerweile ja recht gut und so war die weiteste Tour damit 5 ½ Kilometer. Das wären noch vor zwei Jahren echt Peanuts gewesen an Laufstrecke, aber mit 100 kg hinter mir merke ich das dann schon. Aber so weit „Rollischubsen“ wäre noch blöder, weil der halt durch die kleinen Vorderräder ständig irgendwo hängen bleibt und das dann Stürze provoziert. Wir haben beim Silopuzzlen zugeschaut, so etwas haben wir vorher auch noch nie gesehen. Also es war ein halbes Maissilo und am Ende ein Rest Grassilage und in der Mitte wurde quasi das neue Siloteil „angebaut“.

Da Junior sich nicht viel bewegt, kühlt er trotz Schaffellschlupfsack irgendwann aus, zudem spinnt sein Körper mit der Temperaturregulierung gerne mal ein bisschen rum. Die wird ja im Kopf gesteuert und da ist halt der „bescheuerte Mitbewohner“. Also haben wir jetzt „aufgerüstet“. Die Firma outchair bietet verschiedene Wärmemöglichkeiten an, die via Akku betrieben werden, draußentauglich sind und gute Bewertungen haben. Die beste Rezension zur Wärmematte fand ich die, wo jemand erklärte, damit auch Pizza auf dem Transport warm zu halten. Der Sitz den wir jetzt haben, hat Seitenverstrebungen und bietet auch auf Bänken ohne Lehne dann eine (beheizbare) Rückenlehne und verschiedene Wärmestufen. Die Wärmematte können wir bei Bedarf auch in den Fußbereich vom Schlupfsack packen. Die Powerbanks als Akkus halten etwa 5 – 6 Stunden und können ggf. auch ein Handy aufladen. Alles gut durchdacht soweit, der Winter wird zeigen, ob es tatsächlich funktioniert, wie gedacht. Da man für solche Sachen ziemlich viel Geld bezahlen muss, sollte man wirklich gut und lange vergleichen und abwägen, was wirklich sinnvoll und zweckmäßig ist!

Im Hintergrund ein Trecker an einem Silo, dann Wiese, hinter einem großen Gedenkstrein von der Flurbereinigung in Markhausen sieht man Nick auf dem Sacco
Silopuzzlen in Markhausen

Im Regiomarkt in Hemmelte haben wir einen Karton Apfelsaft gekauft. Wenn man dort mit Münzen oder einem Zehner zahlt, ist das alles gar kein Problem. Aber als wir dann Saft nachkaufen wollten, wurde es zu einem Problem, weil ich nicht ausreichend Kleingeld dabei hatte und der Automat offensichtlich auch keinen größeren Schein annimmt. Die Option „via Karte bezahlen“ hatte ich ein paar Tage vorher schon in Edewecht an einem Automaten – und auch dort hat es nicht geklappt. Ich hätte gerne zwei Kartons Saft gekauft – so haben wir gar keinen gekauft, weil es schlichtweg nicht möglich war.

Es ist ja nett, dass es da eine Telefonnummer gibt – aber ich gehöre zu den Menschen, die absolut ungerne telefonieren. Unbekannte Nummern schon mal gar nicht. Davon gibt es sehr viele Menschen (was mich wirklich beruhigt hat, via Twitter zu erfahren). So habe ich mir überlegt, wieviel Umsatz an solchen Automaten eigentlich wegfällt, weil schlichtweg nicht wirklich erklärt wird, welche Münzen/Scheine angenommen werden oder wie genau das mit der Kartenzahlung funktioniert? Das wird nicht wenig sein.

Schild mit der Aufschrift Hof Diers, daneben ein Hinweis "Geöffnet" sowie "Spargel"
Eingang zum Hofladen Oltmer in Edewecht

Wir haben auch wieder Hofladen Oltmer in Edewecht besucht. Dort haben wir Treckernudeln gekauft, aber auch Kürbiskerne, Hähnchengerichte und bunte Kartoffeln. Genau die Sorten, die wir in „Paul Potatoe“ angepflanzt hatten, weil sich das so toll in den Videos anhörte – und wo dann tatsächlich nur ganz winzige Kartoffeln rausgekommen sind. Die Blaue Anneliese und Rote Emmalie. Die sind auch so nicht so groß, aber immerhin hatten wir bunte Bratkartoffeln und die sind echt Hingucker!

Einkäufe beim Hofladen an der Kasse, während Junior den Preis ausrechnet
Unsere „Beute“, Junior darf den Einkaufspreis ausrechnen

In Edewecht waren wir auch bei der „Mühle Joosten“, weil ich wissen wollte, was das jetzt eigentlich ist und was es dort alles gibt. Zum Beispiel Getreide. Super, nun haben wir wieder Grünkern und unsere Getreidemühle wieder in Betrieb genommen. Es gab Grünkernbraten. Ich mag Grünkern total gerne, Junior ist nicht ganz so begeistert davon.

Zwei braune Papiertüten mit Getreide vor einer alten Türe mit alten Werbeschildern.
Mühle Joosten in Edewecht, Landwarenkaufleute

Dann sind wir an einem Tag Richtung Lastrup gefahren und einfach mal ein Stück weiter. Aus der Ferne sieht man irgendwann den Turm von RUF (also die mit den Fertigkuchenmischungen und so). Da wollte ich dann schauen, ob die vielleicht einen Werksverkauf haben (nein) und dabei haben wir das Schild vom Hofladen Diers in Essen gesehen. Der steht nun auch in der Liste und hat ein Foto. Bei uns liegt dafür ein Sack mit großen Kartoffeln und Creme mit Honig drin.

Eingang zum Hofladen Diers
Der Hofladen Diers. Wer handgearbeitete Puppensachen für Baby Annabelle & Baby Born sucht, findet die hier

Lustig war dann ein Abstecher, weil es ein Hinweisschild zu einem „Bootsanleger“ gab. Ich war neugierig, es war noch nicht dunkel – also sind wir dem Schild gefolgt. Wusstet ihr, dass es einen Ort mit Namen Osteressen gibt? Wir bis dahin auch nicht. Also waren wir wenige Wochen vor Weihnachten Schafe an der Hase bei Osteressen gucken.

Grünses Ortsschild mit der Aufschrift "Osteressen"

Ich hatte ja vor einigen Wochen Rindfleisch online bestellt. Bei Hof Thieken in Molbergen. Da ist das Tier noch lebendig gewesen. Samstag konnten wir das Fleisch dann abholen und weil ich so neugierig war, haben wir gleich noch eine Hofführung und richtig viel erklärt bekommen. Dafür noch mal ganz herzlichen Dank an Familie Thieken! Es war echt beeindruckend, zu sehen mit wieviel Herzblut ihr eure Landwirtschaft betreibt, neue Wege geht – und was ihr vorhattet und vor habt! Darüber schreibe ich aber beim nächsten Mal etwas mehr, sonst wird das hier zu lang.

Wiese mit Stallgebäude im Hintergrund, mittig vier Rinder und an der Seite ein Hühnermobil, wie ein grüner Bauwagen
Hier seht ihr das zukünftige Weidefleisch von Hof Thieken!

Es gibt auch ein paar neue Adressen: Hof Gisela, Vechta; Hof Damman, Vechta; Obsthof Klöker, Dinklage. Alle VEC. Hof Diers, Essen; CLP, Mühle Joosten, Edewecht; WST. Da alle Adressen, wo wir schon waren, Fotos dazu bekommen, ist die Liste nun etwas bunter geworden.

Von Lesefutter, Tierwohl-Fleisch, Apfelschorle und Klimaschutz…

Es gibt so Zeiten, wo erst mal nicht mehr viel geht, weil der innere Akku für die wichtigsten Dinge gebraucht wird. Deshalb gibt es für die Woche keine neuen Adressen. Unternommen und passiert ist dennoch ein bisschen was.

Die Materialbestellung beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (klick mich, ich bin ein Link) ist ein bisschen eskaliert. Die haben wirklich tolles und informatives Material auch für kleinere und größere Kinder! Die meisten Infobroschüren sind kostenlos oder sehr günstig, es lohnt sich, da mal zu stöbern.

Ein ganzer Karton voll Lesefutter zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung kam vom BMEL

Dann schaue ich ja zwischendurch nach Kinderbüchern zum Thema Landwirtschaft. Dabei habe ich jetzt das von Julia Dürr entdeckt. Allein der Name Dürr macht mich ja schon echt neugierig, denn bei Junior und mir steht er für eine absolut tolle WfbM-Betreuerin, die vom WfbM-Bauernhof zum WfbM-Werkstatt nach Neuruppin gewechselt ist und dort sehr lebenspraktisch unterrichtet. Sie wohnt aber nach wie vor in Werkstattnähe und ihr Nachbar ist Juniors Gruppenleiter auf dem Hof gewesen, der hoffentlich auch die Hofleitung übernimmt.

Wer aus dem Agrarbereich kommt, dem sagt der Name Stefan Dürr vielleicht etwas, der in Russland Ecosem Agrar aufgebaut hat. Auf Youtube findet man diverse Videos von Ecosem ( klick mich, ich bin ein Link) Agrar und wir haben sie völlig fasziniert geschaut. Wer in Deutschland über Massentierhaltung jault, sollte sich mal anschauen, was da in Russland umgesetzt wird. Und je mehr hier in Deutschland die Landwirtschaft kaputt gemacht wird, desto mehr werden wir von Betrieben aus dem Ausland beliefert, die längst nicht so gut geführt werden wie Ecosem Agrar. Das wird dann wohl die Zukunft sein.

Das Cover vom Buch „Wo kommt unser Essen her?“

Aber zurück zu dem Buch von Julia Dürr – es ist vom Format her riesig. Es wurde auch mit dem Preis für ….. ausgezeichnet – völlig zu recht. Nach den Kinderbüchern, die ich bislang hier über Landwirtschaft habe, ist es zum Thema „Wo kommt unser Essen her“ das Beste, was mir je untergekommen ist und ein absoluter Verschenktipp zu Weihnachten! Sie stellt Klein- und Großbetriebe nebeneinander und erklärt beides sehr sachlich und unemotional. Für den Bericht über die Milch war sie sogar bei unserem alten Heumilchlieferanten in Gottberg auf dem Hof, was für etwas „Heimweh“ gesorgt hat.

Der Kalieber-Stützpunkt in Lastrup…

Wir waren auch beim Kalieber-Stützpunkt in Lastrup, weil Kalieber einen „Adwurstkalender“ hat. Also ab November – und wir haben den für Junior vorbestellt. Ich glaube, das ist seit über 20 Jahren dann der Adventskalender, den er tatsächlich bis zum Schluss jeden Tag öffnen wird. Wir haben dann noch Tierwohl-Fleisch fürs Abendessen gekauft. Darunter ein Rib Eye Steak vom Bunten Bentheimer Schwein. Das sah so derbe fettreich aus, dass ich echt Bedenken hatte, wie das wohl schmeckt – aber es war richtig lecker! Auch das Fett, was einem sonst als wabbelige Masse mit eher unangenehmer Konsistenz und nicht so tollem Geschmack beim Kauen begegnet – überhaupt nicht bei dem Steak! Es passte alles wunderbar und nichts musste wegen „ist ekelig“ abgeschnitten werden.

Leckeres vom Bunten Bentheimer Schwein…

Ich glaube, die Diskussion, welches Fleisch uns jeweils am Besten geschmeckt hat und was so gar nicht unser jeweiliges Ding ist, hat fast 10 Minuten gedauert. Aber genau das finde ich an Junior richtig gut, andere futtern das einfach nur weg, sagen maximal „war lecker“ und fertig. Ich kann mit Hüftsteak vom Rind nichts anfangen, Junior findet es super – aber es muss zumindest rosa durch sein. Wir hatten die Variante innen roh und rosa.

Dann wollte ich noch frischen Apfelsaft beim Regiomarkt24 in Hemmelte holen. Der Einkauf im Regiomarkt wurde dann ein bisschen mehr als ein 5-Liter Sack Apfelsaft aus der Artländer Mosterei. Der ist übrigens sehr lecker! Wir mixen uns daraus Schorle und dann hält so ein 5 Liter-Sack entsprechend länger.

Lecker Apfelsaft von der Mosterei! Drinnen ist ein Sack mit Zapfhahn, im Hintergrund der Popcorn-Automat

Wir haben auch den Popcorn-Automaten und den Getränkedosen-Automaten ausprobiert. So langsam entwickeln wir uns zu „Fressalien-Automaten-Spezis“. Noch etwas haben wir ausprobiert – für viele Menschen tatsächlich ein absoluter Lichtblick – die Toilette am Regiomarkt24. Die aber nix für Rollifahrer ist, die so gar nicht laufen können, weil es zwei Stufen gibt. Selbst für Leute die wirklich schlecht laufen können, ist die nur eingeschränkt nutzbar. Es gibt keine Möglichkeit, sich an einem Handlauf abzustützen. Junior hat gewartet, bis ich ihm heruntergeholfen habe und auch das ist halt immer mit Sturzrisiko verbunden. Wenn 70 Kilo dann ihren Halt verlieren, liege ich auch lang.

Das, was dort noch wirklich blöd ist, ist die Tatsache, das die Leute „nur mal kurz“ ihre Autos auf dem Weg und im Weg abstellen, weil sie denken, dass „nur mal kurz“ ja keinen behindert. Leute, wenn ihr so parkt, dann beweist ihr letztlich nur, dass Intelligenz wirklich NICHTS mit irgendeinem Schulabschluss, mit Studium, gut lesen können oder einem schicken Auto zu tun hat. Ihr seid dann einfach nur hohle, egoistische Fritten!

Wenn ich einen Versuch starte, ein Foto von unseren „Hunderunden mit Sacco“ zu machen, geht das leider nicht immer ganz gut, so wie hier zu sehen.

Wir haben ein paar Runden mit dem Sacco gemacht und je länger ich mich mit Land-Laden-Lecker und Landwirtschaft befasse, desto nachdenklicher werde ich bei dem, was den Landwirten von irgendwelchen Nicht-Landwirten eigentlich so vor die Füße gerotzt wird. Es ist ja ganz hübsch, wenn irgendwelche hippen Städter und #FFF-Leute Seed-Bombs rumwerfen um mehr Blühflächen in Städten zu schaffen. Aber sie werden nie an die Flächengrößen herankommen, die Landwirte als Blühstreifen mit oft sehr durchdachten Mischungen für die verschiedenen Bodentypen einrichten. Aber dennoch sind Landwirte für viele Menschen nach wie vor die Buhmänner und hippe Städter die Guten.

Oben auf dem Bild waren wir in Peheim unterwegs. Die dichten Gehölzstreifen an Wegen und auf den Äckern sind auch nicht erst gestern gepflanzt worden, sondern mindestens zwei Jahrzehnte alt und bieten vielen Wildtieren Rückzugsraum, Nistplatz, Sicherheit und Nahrung. Mag ja sein, dass auch viel Mais in der Gegend herumsteht – aber wer weiß eigentlich, dass Mais zu den Pflanzen gehört, die enorme Mengen CO2 speichern können?

Mais und CO²

Auch was Photovoltaik etc. anbelangt – die Flächen, die außerhalb der Städte auf Dachflächen und Solarparks sind, da kommt keine Stadt mit. Ebenso stehen die Windkraftanlagen NICHT in dicht besiedelten Städten, sondern… auf dem Land. Sieh mal einer an!

Nachtrag: ich lese immer wieder von „ABER DIE BAUERN BEKOMMEN FÖRDERMITTEL!!!!“ mag sein, dass zum Teil Blühstreifen, Photovoltaik und Stallbau etc. gefördert werden. Streite ich auch gar nicht ab, finde ich auch sinnvoll, denn für einen Landwirten bedeutet ein Blühstreifen immer auch eine Fläche, die nicht dafür genutzt werden kann, Futter oder Lebensmittel anzubauen. Fördermittel bedeuten auch immer: ellenlange Anträge ausfüllen für oft einen kleinen Betrag und das bei der ganzen Arbeit, die ohnehin anfällt. Fördermittel bedeuten aber auch: wenn es etwas gibt, dann reicht das hinten und vorne nicht um die anfallenden Kosten zu decken. TROTZDEM machen Landwirte so etwas und übernehmen damit ein mitunter enorm hohes finanzielles Risiko.

Wer sagt: „Wir müssen die Subentionen nund Fördermittel für die Bauern so schnell wie möglich streichen!!!!“ wird übrigens sehr unerfreut sein, wenn man ihm die eigenen Subventionen wie Bafög, Kindergeld oder Wohngeld streichen würde um zu sagen: „Na ja, sieh zu, wie du klar kommst! War ja deine Entscheidung zu studieren / ein Kind in die Welt zu setzen / eine Wohnung zu mieten, die du nicht finanzieren kannst! Jetzt sieh zu, wie du klar kommst!“. Fänden viele Leute bestimmt ziemlich unlustig.

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